Rennbericht Zolder 06.07.02   

Freies Training: Die Strecke im belgischen Zolder ist neu im V8STAR Terminkalender und für die meisten Piloten unbekannt oder es ist lange her seitdem man hier fuhr. Die abwechslungsreiche Strecke mit vielen engen Schikanen und ein paar schnellen Ecken sollte für Spannung sorgen. Ralf war hier 1995 in seiner Formel Renault Zeit zum letzten Mal gefahren und konnte damals das Rennen mit einem Sieg beenden. Obwohl die Strecke seitdem leicht verändert worden war, rechnete sich Drucki hier einige Chancen aus. Die ersten Runden im freien Training spiegelten dies auch wieder und er konnte sich unter den ersten 5 behaupten. Erst als einige Fahrer bessere oder neue Reifen aufzogen fiel er auf Platz 12 zurück. Schlimmer kam es im 2. Teil des freien Fahrens am Nachmittag. Aus Budgetgründen immer noch auf den alten Reifen unterwegs war nicht mehr an gute Zeiten zu denken und auch die Abstimmungsarbeit zeigte sich als fruchtlos, da das Auto von Runde zu Runde unfahrbarer wurde. Während andere Teams bis zu 3 Satz neue Reifen verpulverten, fiel Ralf bis auf den 18 Platz mit 3,3 Sekunden Rückstand zurück.

Zeittraining: Bereits im freien Training zeigte sich, dass hier die neuen Reifen extrem viel brachten und nur in der ersten Runde richtig schnell waren. Eine schwierige Aufgabe für den Mendiger, hatte er doch bisher nicht die Möglichkeit den Grenzbereich mit frischem Gummi auszuloten. Nachdem die ersten guten Zeiten gefallen waren startete Ralf seinen ersten Versuch und überraschte mit einer Zeit, die um 5 Sekunden!! schneller war als seine Zeit aus dem 2. freien Training und ihn auf die dritte Startposition katapultierte! In seiner zweiten fliegenden Runde war er bereits eine Sekunde langsamer und kam anschließend an die Box und wartete ab was die Konkurrenz so zeigte. Als Mutsch mit seinem zweiten Satz eine neue Bestzeit hinlegte startete auch der MRS-Pilot zu seinem zweiten Versuch. Drucki unterliefen in dieser Runde ein paar kleine Fehler und er dachte schon er könne sich nicht verbessern, doch er unterbot seine Zeit um weitere 3 Zehntel, was ihm den hervorragenden zweiten Startplatz einbrachte, hinter Mutsch und vor Simon, Lamy, Cecotto und Lechner.

Top 12 Qualifying: Vor dem Top 12 Quali hatte Ralf ein ungutes Gefühl, denn bereits in der letzten Nacht hatte man an dem Boliden mit der Startnummer 11 die Kupplung zerlegt da diese nicht sauber trennte. Ohne Erfolg, es war kein Fehler zu finden. Genau dieses und ein übermotivierter Pedro Lamy sorgten in der Startgruppe der besten vier für einen spektakulären Crash. Mutsch kam gut weg und konnte entfliehen, während Lamy seinen Bremspunkt vor der ersten Kurve in Simons Heck verlegte und auch den mäßig weggekommenen Druckenmüller noch streifte. Simon drehte sich weg und rutschte vor Lamys Auto der ihn genau in dem Moment traf als Ralf hinter den beiden kreiselnden Autos vorbeifahren wollte. Als Folge krachte Drucki dem Portugiesen mit voller Wucht ins Heck. Während Lamy und Simon nicht weiterfahren konnten, schleppte Ralf sich in langsamer Fahrt bis ins Ziel um noch gewertet zu werden. Es sollte nicht viel nützen...

Rennen: Sowohl bei Simon wie auch bei Druckenmüller diagnostizierte man einen Schaden an dem sonst so stabilen V8 Gitterrohrrahmen. Während bei Simon schnell feststand, dass er am Rennen nicht teilnehmen kann wurden im Team MRS alle Hebel in Bewegung gesetzt um den Boliden wieder fahrbereit zu machen. Hebel war in dem Fall eher ein stabiler Holzbalken der zwischen V8 Rahmen und Sattelzug verkeilt wurde während man mit Spanngurten (auf denen sich 2 Mann als Seiltänzer versuchten um zusätzliches Zuggewicht zu erzeugen), Hämmern, Montierhebel und einer Presse versuchte den Längsträger wieder in seine ursprüngliche Position zu bewegen, was freilich nur teilweise gelang. Während hier die Stammmechaniker ihre Gesundheit riskierten, schraubten die Helfer eine neue Frontpartie zusammen. Gleichzeitig reparierte Ralf zusammen mit dem Technikleiter der V8-Organisation!! die verbogene Vorderradaufhängung! Ein Mitarbeiter der Zakspeed-Mannschaft schweißte schließlich den verbogenen Rahmen wieder zusammen und man komplettierte in letzter Sekunde die Audi Silhouette und spurtete in die Boxengasse. Dort wurde die Spur grob beigedreht und schon erfolgte der Start der ersten Sektion. Ralf startete aus der Boxengasse, drehte eine Runde um in Wertung zu kommen und fuhr dann erneut in die Box um die doch noch abenteuerlichen Spur-, und Sturzwerte einstellen zu lassen. Doch durch den immer noch stark verbogenen Rahmen war es nicht möglich die Sturzwerte in einen fahrbaren Bereich zu bringen. Nach 15 Minuten fuhr Drucki erneut heraus um den Pflichtboxenstop zu absolvieren den die doch arg gebeutelte MRS Truppe in einer sensationellen Zeit abspulte, die sie direkt hinter der überlegenen Zakspeed-Crew auf den 2.Platz in der Boxenstop-Wertung brachte. Nach einer erneuten Reparatur in der Boxengasse stellte sich Ralf am Boxenausgang auf, um dem Feld in die 2.Rennsektion nachzustarten. Trotz des krummen Autos konnte er einige Plätze gutmachen, doch sein Vorwärtsdrang wurde bald durch die rapide abbauenden Vorderreifen gebremst. Durch die enormen Sturzwerte überhitzten die Reifen und ein eklatantes Untersteuern gefolgt von immer wieder blockierenden Rädern in der Bremszone ließen ihn sogar einmal neben die Strecke kommen. In der letzten Runde verweigerte der linke Vorderreifen endgültig den Dienst und Ralf rettete sich mit einem platten und einem bis auf die Leinwand abgefahrenen Vorderreifen ins Ziel und wurde sogar noch als 12. gewertet. Mutsch dominierte das Rennen, profitierte aber davon, dass Lechner eine STOP and GO Strafe bekam weil er mit Asch kollidierte und Cecotto zu spät zum Pflichtboxenstop fuhr und deshalb eine Zeitstrafe bekam und somit in der zweiten Sektion von hinten starten musste. Nach dem Rennen wurde bei Thiim noch ein nicht funktionstüchtiger Katalysator gefunden und er somit disqualifiziert. Bei Cecotto läuft eine Berufungsverhandlung, da er in der Einführungsrunde zum Restart bereits einige Konkurrenten überholte. Vorläufiges Ergebnis somit: Mutsch gewinnt sein drittes Rennen im laufendem Jahr vor Widmann, Cecotto, Asch, Lechner, Oestreich, Bert, Lohr, Nissen, Becker, Michels, Druckenmüller und Lamy. Cecotto liegt in der Meisterschaft nach wie vor in Front, dicht gefolgt von Lechner und Mutsch.  Druckenmüller rutscht bis auf Platz 10 ab.

© Jocky 2002
09.07.02