Rennbericht Hockenheimring 15.09.01

 

Freies Training: Das erste freie Training fand um 8.45 Uhr am Freitag morgen statt. Da die Strecke vom nächtlichen Regen noch naß war, gingen alle V8-Star Boliden mit Regenreifen auf die Kurzanbindung des Hockenheim GP-Kurs. Wie viele andere Fahrer rechnete Drucki mit einer schnell abtrocknenden Bahn und ließ das Fahrwerk auf trocken abgestimmt, was sich auf feuchter Bahn als recht schwierig erwies. Doch schon bald konnte er mit der 7.schnellsten Zeit ein akzeptables Ergebnis erzielen.

Doch als nun die Strecke leicht abzutrocknen begann, quittierten Ralfs ohnehin schon schlechte Regenpneus ganz den Dienst und er kam an die Box, während die anderen Fahrer ihre Zeiten verbesserten. Es blieb nur eine Wahl: Er mußte es mit Slicks versuchen. Zeitgleich mit Ralf wechselte Cecotto und Asch, Thiim und die Zakspeed Piloten bekamen sogar vorgeheizte Slicks mit denen sie auf der noch feuchten Fahrbahn natürlich große Vorteile hatten. In der letzten Runde hatten dann auch Ralfs Reifen den nötigen Grip und er konnte sich wieder auf den 7. Rang nach vorne schieben.

Schnellster war Tiemann vor Asch, Thiim, Wendlinger und Mutsch. Cecotto nur 12.

Das 2. freie Training fand dann bei trockenen Bedingungen statt und während Ralf am Setup feilte montierten andere Teams einen neuen Satz Slicks nach dem anderen und gingen auf Zeitenjagd. Ralf war schon bis zum 15. Rang abgerutscht, als man dann kurz vor Schluß auch einen neuen Satz Reifen montierte. In der ersten fliegenden Runde verbesserte sich Drucki dann um ‘1.5 Sekunden‘ auf Platz 5, in der 2.Runde bestätigte er noch einmal die Zeit und in der dritten Runde ließen die Reifen bereits nach und er kam an die Box.

Cecotto vor Tiemann, Thiim, Wendlinger, Drucki, Bert und Nissen.

Zeittraining: Im freien Training erhielt man zwei Erkenntnisse: Es gab ein noch nie dagewesenes extremes Übersteuern, welches man nicht zu beseitigen scheinen konnte und neue Reifen halten genau 2 Runden.

Der Plan war also mit dem ersten Satz Reifen eine gute Zeit hinzulegen, dann am Fahrwerk arbeiten um das Auto zu verbessern um mit dem 2. Satz dann noch mal anzugreifen. Stufe 1 gelang mit Platz 7, die Arbeiten am Fahrwerk brachten nicht den gewünschten Erfolg und als Ralf dann mit dem 2. Satz auf die Strecke ging, waren so viel Autos im Weg, daß er die Aufwärmrunde langsam machen mußte um freie Bahn zu haben, was zur Folge hatte daß die Reifen zu weit herunter kühlten und ihn in einen Fehler zwangen. In der zweiten Zeitrunde traf er dann genau auf den langsamsten Fahrer im Feld der ihm dann auch diese Runde kaputt machte und danach hatten die Reifen dann zu sehr abgebaut um noch eine schnelle Runde zuzulassen.

Das hieß: Ein enttäuschender 10. Rang und erstmalige Nichtteilnahme am Top 8 Qualifying.

Schnellster war Wendlinger vor Mutsch, Tiemann, Cecotto, Nissen, Deutgen, Bert und Lechner.

Top 8 Qualifying: Hier konnte sich Wendlinger vor Cecotto, Tiemann, Mutsch und Bert durchsetzen.

Nissen und Deutgen bekamen eine 30 Sek. Zeitstrafe wegen überfahren der weißen Linie am Boxenausgang und Lechner rammte Bert in der Boxengasse, schlitzte sich seinen Vorderreifen auf und bekam zusätzlich noch eine 30 Sek. Strafe wegen unsportlichem Verhaltens.

Rennen: Es sollte das turbulenteste Rennen des Jahres werden.

Schon am Start krachte es. Karl Wendlinger würgte sein 5,7 Liter V8-Aggregat ab und blieb stehen. Artur Deutgen mußte ausweichen und traf gerade Drucki, der nach einem super Start schon zwischen Deutgen und Lechner stach. Direkt dahinter folgte Widmann der auch getroffen wird. Ebenfalls in diverse Crashs verwickelt waren Thiim, Becker und Schwister der mit stark beschädigtem Auto noch die Runde zu Ende fährt und eine Ölspur über die gesamte Strecke legt. Bei Ralf ist die linke Hinterradaufhängung beschädigt und nachdem er schon angehalten hat und aufgeben wollte, entschließt er sich doch noch auf drei Rädern an die Box zurück zu humpeln. Derweil wird das Rennen abgebrochen, die Autos von Thiim, Schwister, Becker und Deutgen sind nicht mehr reparabel. Bei Widmann wird ein Rad gewechselt und er fährt wieder in die Startaufstellung wo dann noch die Auspuffanlage repariert wird.

Derweil fliegen beim Team MRS die Finger: Hinterrad, Antriebswelle, Spurstange und Radträger werden gewechselt, bzw. repariert, diverse Sprintweltrekorde werden gebrochen um Teile und Vermessungswerkzeug zu beschaffen, die Erstbeste Box wird zur Werkstatt umfunktioniert und Passanten müssen die Köpfe einziehen als mit einer 3 Meter Aluminiumlatte das Auto grobvermessen wird. In Rekordzeit und Dank tatkräftiger Unterstützung einiger Kollegen Ralfs aus der Formel Renault wird der MRS Bolide wieder auf die Räder gestellt und als das Feld erneut in die Einführungsrunde geht, rollt Ralf zur Ampel an der Boxenausfahrt um dem Feld nachzustarten. Bald hat Ralf Anschluß ans Feld gefunden, überholt Mayer und Hildenbrandt und attackiert Rumpfkeil als die Boxenstopphase beginnt. Der Reifenwechsel dauert ungewöhnlich lange und Ralf verliert viel Boden.

Mit den neuen Reifen und einiger gehörigen Portion Wut im Bauch läßt sich wohl auch ein krummes Auto überspielen, denn nun dreht Drucki die schnellsten Runden des gesamten Feldes und saugt sich mit Riesenschritten an das Hauptfeld heran. Doch bevor er angreifen kann wird die erste Sektion abgewunken.

Vorne liegt Tiemann vor Cecotto, Wendlinger, Bert, Scheckter und Mutsch. Ralf ist zehnter.

In Runde eins nach dem Restart hat der MRS Pilot schon Rumpfkeil und Lechner überholt, in Runde 3 dreht sich Wendlinger und Ralf ringt Nissen nieder und ist damit sechster. Drei Runden später ist Toby Scheckter fällig, Platz fünf. Dann macht Ralf einen Fehler und Nissen schlüpft wieder vorbei. Es beginnt ein rundenlanges Duell zwischen den beiden Audi Fahrern. An der Spitze herrscht ein erbittertes Duell zwischen Tiemann und Cecotto, das von harten Attacken geprägt ist. Nach mehreren Remplern kann sich Cecotto an Tiemann vorbeipressen, der ihm aber nachfolgend Ausgangs der Querspange so ins Auto fährt, daß sich beide drehen. Während Tiemann eine 30 Sekunden Strafe erhält, holt Cecotto zum Gegenschlag aus und dreht Tiemann eingangs von Start/ Ziel um, was ihm ebenfalls eine 30 Sekunden Zeitstrafe einbringt. Es führt nun Sascha Bert vor Nissen der Mutsch überholen konnte, während Ralf der krummen Spur Tribut zollen muß und mit stark nachlassenden Reifen von Wendlinger und Asch überholt wird. Vor der letzten Kurve sieht nun Sascha Bert wie der sichere Sieger aus, doch nun beginnt des Schauspiels zweiter Teil: Bert verliert die Konzentration und dreht sich wenige Meter vor dem Ziel, Nissen kann nicht mehr ausweichen und torpediert Bert. Als der Däne wieder anfahren will trifft er den heran stürmenden Wendlinger und schickt diesen ins Kies. Mutsch passiert die Stelle problemlos und gewinnt. Nissen kann sich mit stark beschädigtem Auto gerade noch vor Asch ins Ziel retten. Ebenso retten kann sich Bert und passiert wenige Meter vor Drucki die Ziellinie.

Das Ergebnis lautet also Mutsch vor Nissen, Asch, Bert, Druckenmüller und Lechner.

Cecotto wird als Achter und Tiemann als Zehnter gewertet.

In der Tabelle rückt Asch auf den 2. Platz hinter Cecotto nach vorne und Drucki ist nun Fünfter, 10 Punkte hinter Thiim.

 

© Jocky
16.09.2001